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Anhörung im Europäischen Parlament "Stress nicht mit Rücken-Richtlinie vermengen"

BRÜSSEL. "Stress und Burn-Out sind in Europa längst eine Volkskrankheit, die unserer Wirtschaft schadet", so der Sozialpolitische Sprecher der CSU-Europagruppe, Martin Kastler. Anlässlich einer Anhörung zu "Stress am Arbeitsplatz" im Sozialausschuss des Europäischen Parlaments hat er heute seine Forderung nach konkreten Maßnahmen der EU-Kommission und der Vorlage eines eigenen "Anti-Stress-Grünbuches" konkretisiert. Eine offizielle Anfrage an die EU-Kommission wird derzeit bearbeitet.

Gast des Sozialausschusses war Eric Albert, Mitbegründer des Französischen Instituts für Stressbekämpfung (IFAS). Im Rahmen der Anhörung verdeutlichte er die wissenschaftliche Belegbarkeit der "Volkskrankheit Stress". Es liege an Arbeitnehmern und Arbeitgebern, gemeinsam Strategien zu entwickeln, um negative Auswirkungen auf die Wirtschaft zu reduzieren. Kastler sieht "eine Anti-Stress-Strategie der EU deshalb in engem Zusammenhang mit den Zielen der Europa-2020-Strategie. Das, was Demenz heute für die ältere Generation bedeutet, ist die Burn-Out-Gefahr für Jüngere." Stress und Burnout seien europaweit die größten Probleme im Bereich Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Jeder vierte Arbeitnehmer ist betroffen - Tendenz steigend. "Zwischen 50 und 60 Prozent aller verlorenen Arbeitstage sind auf Stress zurück zu führen. Der wirtschaftliche Schaden dadurch liegt bei geschätzten 20 Milliarden Euro jährlich - vor allem im mitarbeiterreichen Mittelstand."

Eine Absage erteilt Kastler den Plänen der EU-Kommission, das Thema Stress im Rahmen einer für November angekündigten Ergonomie-Richtlinie abzuhandeln, die sich vor allem mit den Gefahren der Rückenskeletterkrankungen durch Belastungen am Arbeitsplatz beschäftigt. "Stress lässt sich nicht nur über falsche Körperhaltung und Rückenprobleme erklären - das ist eine klare Themaverfehlung." Die Kommission sei aufgefordert, "die Lage in Europa zu scannen, ein Grünbuch vorzulegen und unter enger Einbindung beider Sozialpartner eine Strategie gegen den Stress zu entwickeln, Forschung voranzutreiben und konkrete Modellbeispiele zu fördern."

Ebenfalls bedeutend, so Kastler, "ist in diesem Zusammenhang eine konsequente Familienstrategie für Europa, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördert und die work-life-Balance der Menschen unterstützt." An die Sozialpartner gewandt, fordert Kastler, "dem arbeitsfreien Sonntag seinen Platz in der Arbeitszeitrichtlinie zurückzugeben. Ein ausgewogener Rhythmus zwischen Arbeit und Freizeit ist die beste Prävention gegen Burn-Out."