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Hormon bewirkt Leistungsabfall nach sozialem Stress

Wie wirkt sich Stress auf unsere kognitive Leistungsfähigkeit aus? Dieser Frage gingen Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München nach. Sie konnten erstmals einen Mechanismus im Gehirn  identifizieren, der eine Herabsetzung der Leistungsfähigkeit bei Mäusen bewirkt, nachdem sie sozialem Stress ausgesetzt waren. Diese Erkenntnis dürfte dabei helfen, Erkrankungen beim Menschen, die mit kognitivem Leistungsabfall einhergehen, besser verstehen und behandeln zu können.

Der präfrontale Kortex ist die Region unseres Gehirns, die für das Denken, Wahrnehmen, Erkennen, kurz für die Kognition zuständig ist. Wollen wir flexibel auf Situationen reagieren, müssen wir verschiedene Dinge gleichzeitig erledigen. Dafür und auch für die Planung von Handlungen brauchen wir den präfrontalen Kortex. Diese Prozesse sind aber auch sehr stressanfällig. Der Ärger morgens im Stau oder mittags über den Chef bedeutet sozialen Stress. Das sogenannte Corticotropin releasing hormone (CRH) steuert im präfrontalen Kortex unsere Reaktion darauf; welche Rolle es aber genau spielt, war bisher nicht klar.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie haben deshalb an Mäusen getestet, was genau im Gehirn bei solchem Stress passiert. Sie setzten Mäuse akutem sozialem Stress aus und konnten bei den Nagern einige Stunden später einen kognitiven Leistungsabfall beobachten. An Wege durch ein Testlabyrinth oder die zeitliche Abfolge von Ereignissen, die sie zuvor gelernt hatten, konnten sie sich nicht mehr erinnern.

Um mehr über die Rolle des CRH bei diesem Prozess herauszufinden, schalteten die Forscher das Peptid mit Hilfe eines Medikaments, einem sogenannten CRH-Antagonisten, aus. Als Ergebnis sank die Leistungsfähigkeit der Mäuse Stunden nach dem Stress nicht ab, sie konnten die ihnen gestellte Aufgabe genauso gut erfüllen wie ohne Stress.

„Entscheidend ist, dass wir den Mechanismus identifizieren konnten, der den Leistungsabfall nach Stress bewirkt“, fasst Mathias Schmidt, Forschungsgruppenleiter und Leiter der Studie, zusammen. Das Verständnis dieses Mechanismus ist wichtig, um nachvollziehen zu können, wie Stress sich auf unser Denken, Fühlen und Wahrnehmen auswirkt. Da die Mechanismen, die Flexibilität in der Wahrnehmung oder Gedächtnisleistungen zugrunde liegen, bei Mensch und Maus sehr ähnlich sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Erkenntnisse auf uns übertragbar sind, sehr groß. Viele psychiatrische Erkrankungen wie Depression oder Schizophrenie weisen als Begleiterscheinung häufig eine verminderte kognitive Leistungsfähigkeit auf. Aus diesen Erkenntnisse könnten daher Ansätze für neue Behandlungen und Medikamente entstehen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.psych.mpg.de

Bildnachweis: fotolia/factory3

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